• Roman Welzk

Wann sollte ich Grenzgänger bleiben?

Aktualisiert: Apr 24

In der Schweiz arbeiten, so richtig hohe Gehälter kassieren und schön günstig in Deutschland wohnen. Es stimmt schon, dass du in der Schweiz deutlich mehr verdienst als in Deutschland (ca. das zweieinhalbfache). Dazu kommt, dass du in Deutschland einfach deutlich höhere Steuern zahlst und dadurch sehr viel von deinem Brutto an den Staat geht.

Das Steuerparadies Schweiz bleibt deshalb für viele Deutsche eine Option. Manchmal sind dir vielleicht nicht die Möglichkeiten gegeben direkt auszuwandern, weil du vielleicht schon Immobilien besitzt, eventuell befindet sich deine Familie in der Nähe oder du hast bereits Kinder. Daher bleiben viele in Deutschland wohnen und pendeln täglich in die Schweiz und zurück. Die sogenannten Grenzgänger.

Zu diesem Thema habe ich ein Video auf YouTube veröffentlicht, welches du dir hier ansehen kannst:



Pro und Contra Grenzgänger.


Als Grenzgänger musst du übrigens mindestens einmal pro Woche an deinen Hauptwohnsitz im Ausland zurückkommen (also nach Deutschland in diesem Fall).

In der Schweiz sind die Mieten natürlich deutlich höher. Im Durchschnitt zahlt man beispielsweise in Basel für eine 80 Quadratmeter Wohnung bis zu 2.000 Franken. Daher suchen sich viele in den Grenzregionen eine Wohnung oder Haus im Ausland, zum Beispiel in Lörrach oder in der Bodenseeregion rund um Konstanz.

Auch pendeln viele jeden Tag von Freiburg in die Schweiz und wieder zurück. Es gibt eine super Verbindung mit dem ICE und du fährst ungefähr 45 Minuten pro Strecke.

Ich kann euch aber sagen, dass der Verkehr mit dem Zug nicht immer so reibungslos läuft, wie man sich das wünschen würde.

Auch die deutlich günstigeren Lebensmittel sind häufig ein Grund in Deutschland zu bleiben. Das relativiert sich aber wieder, wenn du nach deutschem Steuerrecht besteuert wirst.


Dazu könnt ihr auch gern mal mein anderes Video schauen: "Ist die Schweiz wirklich so teuer?



Fragen wir das Milchmädchen!


Machen wir mal eine ganz einfache Milchmädchenrechnung. Verdienst du in der Schweiz 5.000 Franken Brutto, hast du nach allen Abzügen rund 4.000 Franken übrig. In Deutschland bleiben dir nach allen Abzügen rund 2.500. Jetzt kauft ihr in Deutschland ein Brot für einen Euro, oder ihr kauft in der Schweiz ein Brot für einen Franken...dann ist es natürlich in der Schweiz deutlich günstiger mit einem Schweizer Gehalt.



Wie und wo zahlt man Steuern als Grenzgänger?


Steuern müssen grundsätzlich in dem Land gezahlt werden in dem man wohnt, das heißt Grenzgänger sind in Deutschland steuerpflichtig. Der Arbeitgeber in der Schweiz behält sich aber grundsätzlich 4,5% Quellensteuer ein. Diese werden von deinem Bruttolohn abgezogen, der Rest muss dann in Deutschland weiter versteuert werden. Dazu könnt ihr gerne mal den Begriff "Doppelbesteuerungsabkommen" bei Google eingeben.

Die bereits gezahlte Quellensteuer kann in Deutschland natürlich angerechnet werden, dazu müsst ihr euch einfach bei eurem Finanzamt als Grenzgänger anmelden und eine Ansässigkeitsbescheinigung vorlegen. Diese wird dann wiederum beim Arbeitgeber in der Schweiz eingereicht. In Deutschland kommt es dann zu vierteljährigen Vorauszahlungen für die Einkommenssteuer im März, Juni, September und Dezember. Die täglichen Kosten für die Pendelei als Pendlerpauschale könnt ihr euch anrechnen lassen.


Da du in der Schweiz aber nur durchschnittlich zwölf Prozent Steuern zahlst, ist es aus steuerlicher Sicht oft günstiger einfach direkt in die Schweiz zu ziehen. Es gibt eine interessante Ausnahme, die sogenannte 60 Tage Regelung. Diese Ausnahmeregel besagt, dass Grenzgänger die aus beruflichen Gründen an mehr als 60 Tagen nicht am Wohnsitz in Deutschland übernachten, komplett in der Schweiz versteuert werden. Dies ist für Arbeitnehmer natürlich eine super Vorteil, da die Steuersätze in der Schweiz eben deutlich geringer ausfallen.


Wie ist es mit der Krankenversicherung in der Schweiz?


Es gilt Krankenversicherungspflicht, das ist schon mal klar. Aber es gibt keinen Arbeitgeberanteil sowie in Deutschland, sondern ihr zahlt alles selbst. Ihr habt als Grenzgänger das sogenannte Optionsrecht. Dies ist die Möglichkeit eine Schweizer Krankenkasse zu wählen und dennoch in Deutschland zu wohnen (beachte dabei die 3 monatige Anmeldefrist). Ich finde, es ist ein Vorteil in Deutschland, dass du gesetzlich krankenversichert bist und es einen Arbeitgeberanteil gibt. Wenn du vielleicht eine schwere Erkrankung hast oder sehr oft beim Arzt bist, sehr viele Medikamente und zusätzliche Sachen hast, lohnt es sich unter Umständen eher nicht in die Schweiz zu gehen.

In der Schweiz hast du immer eine Selbstbeteiligung, zusätzlich zu deinem monatlichen Krankenkassenbeitrag. Die sogenannte Franchise. Daher muss man eben wirklich genau überlegen, ob es sich lohnt in der Schweiz krankenversichert zu sein. Das solltest du für dich einfach mal durchrechnen.


Wie werde ich Grenzgänger?


Du beantragst deinen Grenzgänger Ausweis bei der kantonalen Behörde.

Dazu brauchst du:


- deine Wohnsitzbescheinigung aus Deutschland

- deinen Arbeitsvertrag

- ein Passfoto

- evtl. Kopie deines Personalausweises oder Reisepasses


Außerdem brauchst du als Grenzgänger oftmals zwei Konten. Ein Bankkonto in der Schweiz, auf das dein Gehalt eingezahlt wird und meist noch eines in Deutschland, von dem deine Fixkosten wie Miete und Versicherungen abgehen.


Mein persönliches Fazit zum Grenzgänger.


Aus meiner Sicht würde ich sagen, wer viel Geld verdient, für den lohnt es sich auf jeden Fall in die Schweiz zu ziehen. Allein aus steuerlicher Sicht sparst du dir so viel Geld und kannst so viel mehr Kapital aufbauen.

Wann ich persönlich nicht in die Schweiz ziehen würde, wäre wenn ich Familie und Kinder in Grenznähe hätte. Denn die Kindererziehung ist unglaublich teuer in der Schweiz. Dazu finde ich das 14 Wochen Mutterschaftsurlaub auch sehr wenig sind.


Auch würde ich in Deutschland wohnen, wenn ich auf sehr viel medizinische Unterstützung angewiesen wäre. Denken wir da mal an den Zahnarzt oder überhaupt an irgendwelche Erkrankungen. Ich wäre doch etwas ruhiger und entspannter, wenn ich einfach zum Arzt gehen könnte und ich bekomme nicht ständig eine Rechnung zugeschickt.

Nicht in die Schweiz ziehen würde ich außerdem, wenn bereits Immobilien auf meinen Namen in Deutschland laufen. Man kann sich doch schon einiges mehr an Grund und Boden in Deutschland leisten.


Ein kleiner Vorteil als Schweizer in Grenzregion ist aber, dass du in Deutschland einkaufen kannst und dir einen Teil der Mehrwertsteuer zurückholen kannst.


Am Ende muss jeder selbst für sich entscheiden, was ihm das liebste ist. Womit er sich wohl fühlt und seine Prioritäten setzt.


Vielen Dank fürs lesen des Artikels. Ich wünsche dir alles Gute und wenn du Fragen zu diesem Thema hast, schreib mir gern unter den Artikel oder folge uns auf unseren Social Media Kanälen.


Roman

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